“Mit dem Wiki auf Du und Du..” - Anmerkungen zum Vortrag in Dresden

Vorbemerkung: die Präsentation kann hier angesehen werden.

D-Folie1

Natürlich steht das BuechereiWiki am Anfang des Vortrages. Alles Wichtige findet sich auf der Startseite. Einfach ausprobieren! Es kann nichts passieren!

Nun standen ja nicht die vielen schönen Portale im Mittelpunkt des Vortrages, aber hier im BuechereiWiki sind einige davon (!) zu finden. Meine eher private Liste steht hier. [Überhaupt lohnt es sich die SocialBookmarking-Plattform del.icio.us - gehört inzwischen yahoo - genau anzusehen!]

maturana

Alles Gesagte ist von jemandem gesagt.

Der Baum der Erkenntnis dürfte (fast) überall vorhanden sein. Wer sich einen ersten Überblick über die Wirkung dieses Buches, den “Konstruktivismus” und Autoren Humerto R. Maturana & Francisco J. Varela verschaffen möchte, möge hier nachsehen.

Wissen

Dieses Schema habe ich dem Weblog “How to save the world” entnommen. Es ist mir ein Rätsel, wie der Autor, der Kanadier Dave Pollard jeden Tag so viel Durchdachtes veröffentlichen kann. Dieses Blog verzeichnet weit über 1000 Zugriffe täglich! Dave hat auch Hervorragendes zum Thema “collaboration” geschrieben.

Keines unserer wirklichen Probleme hat etwas mit dem Mangel an Information zu tun. Neil Postman

Mag er auch nicht ganz recht haben, wir haben in jedem Fall ein Problem, wenn wir Information von ihrer Rezeption & den Rezipienten (!) systematisch abstrahieren. Wir haben doch so gute Ideen… Warum passiert einfach nichts? So viele schlaue Bücher und niemand scheint klüger zu werden. So viel Portale und Projektdatenbanken zur Leseförderung und - landauf, landab - Bilderbuchkino.

Nur dies. Es scheint klar zu sein, dass Systeme (und Menschen) unter Überlastung (Stress) nicht veränderungsfähig (lernfähig) sind. Niemand darf sich wundern, dass der andauernde “Reform-Stress” im Bildungswesen immer nur die “Unreformierbarkeit” der Schulen aufzeigt.

Die folgende Matrix ist auf meinem “eigenen Mist” gewachsen und entsprechend frag-würdig. Der Alltagskampf lässt einem ja manchmal wenig Zeit zum gründlichen Durchdenken.

Matrix

Über den Spalten (a,b) könnte auch: top-down bzw bottom-up stehen. Die Zeilen kürze ich mit Großbuchstaben (A,B) ab.

    Fall Aa : eine Redaktion/ein Webmaster betreut inhaltlich eine Zeitschrift/eine Webseite. Jede Veröffentlichung geht über diese Personen. Sie wirken als Filter und Qualitätsgaranten. Normalzustand in kleinen Spezialgebieten, Traum aller “Portale”. Funktioniert gut, hat aber auch Nachteile. Bei Zeitschriften ist dies die zeitliche Trägheit und die zwangsläufige Beschränkung auf “große” Themen. Und es ist teuer.
    Fall Ba: der Ist-Zustand. Viele Leute veröffentlichen an vielen verschiedenen Orten. Die jeweiligen Redaktionen muß man sich in der Grafik dazudenken. Was unseren Kollegen von der Unsichtbaren Universität - Hüter des B-Raumes und seit einem magischen Unfall bekanntlich ein Orang-Utan - unglücklich macht & uns mit, ist die schlichte Tatsache, dass es unmöglich ist, hier den Überblick zu behalten. Man kann nur hoffen, dass das, was man im Fachstellenblättchen verpasst hat, weil man zufällig in einem anderen Bundesland arbeitet, irgendwann auch im BuB steht. Die Unübersichtlichkeit könnte man als unvermeidbaren Preis für eine an sich positive Vielfalt ansehen. Nur was die verschiedenen Internetportale zur Leseförderung angeht, ist sie eher lästig.

Beide Strukturen haben etwas gemeinsam. Es gibt eine klare Rollenverteilung AutorIn - Redaktion - LeserIn. Zwar kann jede Leserin theoretisch sich auch als Autorin einbringen, aber die Schwelle ist in der Praxis sehr hoch. Der große Problem liegt aber heute in einem ständig anschwellenden Datenrauschen, das es immer aufwendiger macht Information zu selektieren (dh aus den Daten für mich/uns Bedeutungsvolles herauszuholen), um das Erworbene dann in die Praxis umzusetzen. Der letzte Schritt beschäftigt ganz Armeen von Unternehmensberatern und Organisationsentwicklern, die wir uns in unserem veramten und zersplitterten öffentlichen Bibliothekswesen natürlich nicht leisten können.
Ich sehe für uns zwei Lösungswege: die eine Wissens-Allmende und deren Verbindung mit einem Persönlichen Wissensmanagement.

    Fall Ab: Grundmodell - die Wikipedia. Es kann nur eine geben. Eine konkurrierende Wikipedia ist per se unsinnig. Ich denke, wir alle hätten vor fünf Jahren dem Projekt der Wikipedia keine Chance gegeben. Wir hätten uns nicht in unseren wildesten Träumen vorstellen können, dass sie zur wichtigsten Online-Enyklopädie mit über einer Million Einträge (in der englischen WP) von teilweise überragender Qualität geworden ist. Natürlich hat sie Mängel, aber für Dünkel gibt es keine Rechtfertigung. Wer sich beschwert, kann es ja besser machen. Warum funktioniert es? Weil wir Menschen durchaus Freude an schöpferischer Arbeit haben und es einfach Spaß macht, zusammen etwas zu machen. Wir sind eben nicht homines oeconomici, wie uns die Wirtschaftswissenschaften Glauben machen wollen: “Tragödie der Allmende”.

Und gerade um die Schaffung einer Wissens-Allmende geht es. Wie könnte das aussehen?

Wissensallmende

    Fall Bb: Die Basis für ein gemeinsames “Wissensmanagement” ist das persönliche. Der Erfolg von Küstenmacher&Co beweist, dass wir große Probleme haben, die sogenannte “Informationsflut” (die s.o. eigentlich eine Daten-Flut ist) zu händeln. Entstapeln Sie Ihr Büro! Wir müssen nun davon ausgehen, dass alles, was zusätzlichen Aufwand erfordert, sich nicht durchsetzen wird! Und da hilft kein moralischer Appell. Die Arbeitsintensität wächst überall und wenn wir uns erst einmal in Routinen eingerichtet haben, ist es sehr mühsam, uns da raus zu holen. Benötigt werden also Arbeitsinstrumente, die Zusammenarbeit quasi “eingebaut” haben. Und diese stehen in der sogenannten “social software” seit einiger Zeit zur Verfügung. (Näheres dazu in unserem Ausatz in BuB 3/2005)

…………….

Kurze oberflächliche Typologie der Internetdienste:
ONE = ein Einzelner/einzelne Organisation
ALL = einfach alle (beliebige)
MANY = spezielle, (nicht immer exakt) abgegrenzte Nutzergruppe (meist mit Account/Subskription)

  • ONE to ONE : Email, Messenger-Dienste, ICQ, skype…
  • ONE to ALL : Homepage (einfach hoffen, dass alle hingucken, aber leider gibt es da den “long tail“), Weblogs…
  • ONE to MANY: Newsletter, kommerzielle Dienste (Datendienste)
  • MANY to MANY: Mailinglisten, Foren, Kollaborative Werkzeuge (Mini-Wikis, Writely etc)
  • MANY to ALL: Wikis, SocialBookmarking, etc
  • Die Social Software bezieht sich auf die letzten beiden Bereiche.

    ……………

    Vielleicht erst mal ganz praktisch. Ich schlage die gemeinsame Nutzung folgender Werkzeuge vor (für den Anfang):

  • Das BüchereiWiki als gemeinsamen Zettelkasten. Warum sich die Adressen der günstigen DVD-Lieferanten nur privat notieren? Das ist ja schließlich für alle interessant! Noch einmal : das BüchereiWiki ist kein alternatives Lexikon des Bibliothekswesens, wo stunden/tage/wochenlang an Artikeln gefeilt wird…
  • Die bestehenden segensreichen Mailinglisten forumoeb, RABE & inetbib für aktuelle Diskussionen und (insbesondere sehr spezielle) Anfragen.
  • FEHLT NOCH: Eine OEB-Variante des Fachweblogs netbib, das zwar immer auch einen Seitenblick auf die OEBs wirft, aber vom Redaktionsteam her, den Schwerpunkt WB hat. Hierher gehören Beobachtungen, Tipps, Hinweise, Kommentare, Berichte, Glossen… Der Vorteil gegenüber Mailinglisten besteht in der besseren Erschließung (Vergabe von Schlagworten - “tags”) und in der anderen Bezugsform (RSS, Syndikation). Außerdem ist die Struktur hier TEXT/KOMMENTAR im Gegensatz zu BEITRAG, FRAGE/ANTWORT,RE: bei den Mailinglisten. Ein Redaktionsteam aus engagierten KollegInnen ist daher sinnvoll. Die Blogsoftware ist sehr einfach zu handhaben.
  • DA, ABER NOCH WENIG GENUTZT: die SocialBookmarking-Plattform Scuttle. Also die Links nicht mehr auf dem eigenen Rechner speichern oder - konfliktträchtig - im Intranet, sondern die Favoriten allen zugänglich machen. Pointe ist hier auch wieder das “tagging”, die Verschlagwortung. Wenn also einschlägige Seiten über Leseförderung von verschienen Leuten unter diesem tag gesammelt werden, so ist diese Zusammenstellung für alle verfügbar. So würde, fast von selbst, eine gemeinsame Internetbibliothek heranwachsen, bottom-up und nicht top-down
  • ÜBERLEGENSWERT: Fortbildungen als OpenSpace-Prozess anzulegen. Ein Rahmen, in dem alle ermutigt werden, kleine Beiträge zu geben oder Raum für ihre Fragen haben. (Es gibt jede Menge Literatur zur Moderationsmethode “OpenSpace”)
  • Nun liegen die Widerstände gegen eine solche “Wissens-Allmende” in angestammten Routinen und Haltungen. Die Technik ist einfach. Schwierig ist es, zwei weit verbreitete Grundhaltungen zu überwinden:

  • das EinzelkämpferInnentum, die Neigung “das Rad lieber selbst zu erfinden”, als andere zu fragen
  • die Angst nichts “Wesentliches” beitragen zu können
  • Wir brauchen also:

    KulturderZusammenarbeit

    Wir sind bei Licht besehen in Zukunft immer mehr darauf angewiesen, unser Wissen zu teilen (sharing), zusammenzuarbeiten (collaboration) und “Gemeinschaftlichkeit” zu kultivieren (community).